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Familiengewalt rückläufig

Prof. Pfeiffer predigt beim Neujahrsempfang

Prof.Pfeiffer
Prof. Christian Pfeiffer, Hannover

Frankfurt a.M. (epd). Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat einen Rückgang der Gewalt in den Familien beobachtet. Dies habe vor allem damit zu tun, dass Kinder und Jugendliche heutzutage mit "viel Liebe und wenig Hieben" aufwüchsen, sagte Pfeiffer am 20. Januar in Frankfurt am Main beim Neujahrsempfang des hessen-nassauischen Polizeipfarramtes. So hätten etwa 2011 in einer repräsentativen Studie für das Bundesbildungsministerium 52,1 Prozent der Befragten angegeben, sie seien völlig gewaltfrei erzogen worden. Dies seien doppelt so viele gewesen wie 1992.

Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen führte diese Entwicklung vor rund 70 Gästen in der Jugend-Kultur-Kirche St. Peter unter anderem auf das im Jahr 2000 erlassene Züchtigungsverbot zurück. Als weitere Faktoren nannte er das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz, frühe soziale Hilfen, das neue Bundeskinderschutzgesetz und die "engagierte Arbeit des Kinderschutzbundes".

Die Forschungsergebnisse seien ermutigend, böten jedoch keinen Anlass, die Hände in den Schoß zu legen, warnte Pfeiffer. Denn es gebe zwei Ausnahmen: So sei etwa in türkischen und streng religiösen, freikirchlichen Familien die Rate der geschlagenen Kinder angestiegen, in türkischen Familien seien besonders Jungen massiver Gewalt ausgesetzt.

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Fürbitten - vorgetragen von Oberkirchenrat Schuster und den Beiräten C.Loos, R.Kress, B.Braun, C. Müller, Fotos: Vera Geyer, PPFFM PÖ 4

Christen hätten die Aufgabe, ihre Kinder gewaltfrei und liebevoll zu erziehen, sagte Pfeiffer in seiner Predigt zur Jahreslosung "Jesus spricht: Meine Kraft ist den Schwachen mächtig" (2. Korinther 12,9). Sie müssten aber auch Gewalttätern, die in "katastrophalen Verhältnissen mit Gewalt und Drogen" aufgewachsen seien, den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen helfen. Beispielhaft erinnerte der Kriminologe an den früheren Skinhead und Totschläger Johannes Kneifel, der mit Hilfe einer baptistischen Gemeinde seinen Schulabschluss gemacht hat und inzwischen Theologie studiert.

Das hessen-nassauische Polizeipfarramt wird seit 1995 von Pfarrer Wolfgang Hinz geleitet. 2001 wurde es von Wiesbaden nach Frankfurt verlegt und verstärkt. Seitdem wird Hinz von Pfarrer Winfried Steinhaus im südhessischen Raum unterstützt. 2003 kam es zur Errichtung einer weiteren Polizeipfarrstelle für den westlichen Teil des Kirchengebietes, die mit Martin Schulz-Rauch besetzt ist. Mit der rheinischen Kirche gelang eine Kooperation für den Bereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen, dort ist seit 2008 Pfarrer Horst Daniel zuständig.

Dr. Dieter Schneberger, epd