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Archiv: Berichte

Mit fröhlichem Gewissen

Polizeiseelsorge und Reformation

LuthPfarrkirche
Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St.Marien

500 Jahre Reformation – dies Gedenkjahr nahmen das Polizeipfarramt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und die Polizeiseelsorge der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck zum Anlass, um in Marburg ihren berufsbegleitenden Dienst zu bedenken. Etwa 100 Gäste aus Politik, Kirche und Polizei folgten der Einladung, darunter Ministerpräsident Volker Bouffier, Staatsselretär Werner Koch, Bischof Prof. Dr. Martin Hein, Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Volker Jung, dazu viele Polizeiangehörige aller Dienstgrade.

Den Festgottesdienst in der Lutherischen Pfarrkirche gestaltete Landespolizeipfarrer Kurt Grützner, EKKW, zusammen mit Mitgliedern der Polizeibeiräte, die die Arbeit der Seelsorger in beiden Kirchen seit Jahren unterstützen. Anstoß für Kurt Grützner, in seiner Predigt an die Nivellierung der strikten Trennung von geistlichem und weltlichem Stand durch die Reformation zu erinnern und ihre Aufwertung der Arbeit der sogenannten Laien. „ Ein Leib – viele Glieder“, dies eindrückliche Kapitel aus dem 1.Korintherbrief(12), gelesen von verschiedenen Gottesdienstbesuchern verteilt über die ganze Kirche, veranschaulichten den Zusammenhang ideell, ökumenisch und ganz praktisch.

Marktplatz Marburg
Ankunft der Ehrengäste auf dem Marburger Marktplatz

Unter strahlendem Himmel ging man das kurze Stück von der Kirche zum Rat-haus, wo die Blechbläser des Hessischen Polizei-orchesters die Gäste auf dem Marktplatz bereits erwarteten. Im Rathaus-saal begrüßte der Vorsitzende des Polizei-beirats der EKHN, PHK Burkhard Käs, die Gäste und führte durch das Festprogramm. Hier hatte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies das erste Wort und erläuterte, was Marburg der Reformation zu verdanken hat - nicht zuletzt die Universität, von Landgraf Philipp 1527 gegründet und bis heute wichtigster Wirtschaftsfaktor der Stadt.

Volker Bouffier
Ministerpräsident Volker Bouffier

Der Leitende Polizeipfarrer Wolfgang Hinz, EKHN, hielt den Festvortrag zur reformatorischen Auffassung vom Beruf, der nach Luther „mit fröhlichem Gewissen“ zu meistern ist. Das rechte Unterscheiden zwischen dem, was der Mensch Gott schuldig ist und was der Mitwelt, befreit ihn vom falschen „Ansehen der Werke“. Sachgerechtes authentisches Tun zum Wohl des Nächsten ohne Nebenabsichten erfüllt, macht Sinn und gefällt Gott. Damit kommt Luther dem modernen Berufsethos recht nahe - und dessen Gefahren. Werden Sekundärmotive übermächtig, können sie alles verderben. Die Gefallsucht Gott gegenüber mag dahin sein, ungezügeltes Streben nach Ansehen, Geld, Karriere u.a. keineswegs. Seit seinem mutigen Auftreten in Worms vor Kaiser und Reich gilt Luther als Vorreiter der Gewissensfreiheit. „Sie ist auch im Polizeiberuf unverzichtbar“, so Hinz, „ garantiert aber noch kein befreites Gewissen.“ Hier sehe sich die Polizeiseelsorge besonders gefordert.

Ministerpräsident Volker Bouffier würdigte den Dienst der Kirchen in der Polizei. Mit der Seelsorge nehme sie eine Aufgabe wahr, die der neutrale Staat so nicht übernehmen könne, die aber gleichwohl unerlässlich sei. Bischof Martin Hein ging dem Polizeibegriff und seinem Gemeinschaftsbezug nach, Kirchenpräsident Volker Jung hoben hervor, dass es nicht selbstverständlich sei, dass der Staat den Kirchen Zugang zu seinen Institutionen gewähre. Beide dankten für die Möglichkeit, Bildung und Seelsorge in der Hessischen Polizei anbieten zu können. Ordinariatsrat Hans Jürgen Dörr nahm den Gedanken zur Ökumene aus dem Gottesdienst auf und benannte Initiativen beider Konfessionen, die einander näher bringen. Ein zünftiger oberhessischer Imbiss rundete den Vormittag fröhlich, auch im Sinne Luthers: „Ich lob eine reine, gute, gemeine Hausspeis.“

Text: Wolfgang Hinz, Fotos: Karl-Günter Balzer