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Archiv: Berichte

Zu Gast bei der Bundeswehr

Neujahrsempfang in Schloss Oranienstein

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Empfang im Gelben Saal

Seit 1987 lädt das Polizeipfarramt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Vertreter aus Polizei, Politik und Kirche ein, das neue Jahr mit einem gemeinsamen Gottesdienst zu beginnen - 2009 erstmals in einer Liegenschaft der Bundeswehr: Schloss Oranienstein im nassauischen Diez. Dabei reizte den Veranstalter nicht nur das Ambiente der stattlichen Barockanlage, es ging ihm auch um die Begegnung mit den gegenwärtigen Nutzern, den Angehörigen des Sanitätskommandos II. Kein Auslandseinsatz deutscher Polizisten, sei es im Kosovo oder in Afghanistan, ist ohne die Unterstützung militärischer Kräfte vor Ort denkbar. Im Gottesdienst wie bei den Grußworten galt darum dieser Kooperation ein besonderes Augenmerk.

Oda Scheibelhuber
Staatssekretärin Oda Scheibelhuber

„Die Bundeswehr ist für uns ein wichtiger Garant für die Sicherheit unserer Beamtinnen und Beamten in den Missionsgebieten“, unterstrich für Hessen Staatsekretärin Oda Scheibelhuber in ihrem Grußwort. Durch „die notwendigen Unterstützungsleistungen, die mit der Einsatzvorbereitung beginnen (z.B. Allradausbildung und Geländeorientierung in Hammelburg), sich über Mitflugmöglichkeiten von Personal, dem Transport von Hilfsgütern bis hin zur Nutzung von Unterkünften sowie Betreuungseinrichtungen und im Notfall auf eine medizinischer Versorgung erstrecken, sind Sie uns ein zuverlässiger kompetenter Partner.“

Karl Peter Bruch
Staatsminister Karl Peter Bruch

Ihr Dank galt auch der Polizeiseelsorge, die sich von Anfang an in der Betreuung der Missionsteilnehmer engagierte, vor Ort und bei der Heimkehr. Zugleich unterstützt sie die Angehörigen in Vorbereitungsseminaren, durch Familienfreizeiten und Einzelkontakte. „Ich weiß, dass die Menschen das nötig haben“, betonte auch Innenminister Karl Peter Bruch, Rheinland-Pfalz und dies nicht nur im Blick auf Auslandseinsätze.

Oberstarzt Dr. Wetzel sprach für die Bundeswehr. Er schilderte ihre neuen Aufgaben und die damit verbundenen Belastungen, erschwert durch Todesfälle und Traumatisierungen. Im psychosozialen Netz der Bundeswehr spiele die Militärseelsorge eine wichtige Rolle und wer immer gemeint habe, diese sei entbehrlich, sehe sich jetzt eines Besseren belehrt. Fremdkräfte könnten diese Kontinuität in der Betreuung nicht erbringen.

Zu dieser bekannte sich in seiner Begrüßungsrede Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, seit Jahresbeginn neu im Amt: „Die Zusammenarbeit mit der Polizei und die Begleitung der Polizei bildet ein wichtiges Anliegen meiner Kirche seit ihrer Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon Martin Niemöller, unser erster Kirchenpräsident, hat sich nachdrücklich für die Begleitung von Polizeikräften eingesetzt. Bemerkenswert ist dies vielleicht auch deshalb, weil er gleichzeitig die Wiederbewaffnung Deutschlands bekanntermaßen äußerst kritisch sah. Er war der Ansicht, dass der Dienst der Polizei für die innere Sicherheit und Ordnung einer Gesellschaft - angesichts ihrer äußeren und inneren Belastungen und Gefährdungen - eine besondere kirchliche Unterstützung durch Seelsorge, Ethikunterricht und Einsatzbegleitung verdient. Dabei hatte er – wie auch wir heute – sowohl die einzelnen Polizeibeamten im Blick – als auch die kompetente und verantwortliche Wahrnehmung des Auftrags als solche.“

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Kirchenpräsident Dr. Volker Jung nach seiner Ansprache

Dabei ging Jung auch auf den Ausbau des Frankfurter Flughafens ein, in dessen Vor - und Umfeld sich seine Kirche engagiert und für das Nachtflugverbot eintritt. Gleichwohl sei es auch hier Aufgabe der Polizei geltendes Recht umzusetzen. „Ich wünsche allen Polizeibediensteten – in dieser Großlage, aber auch in den täglichen Pflichten - die nötige Standfestigkeit, Augenmaß und Gelassenheit. Mögen sie nach jedem Einsatz gesund nach Hause zurückkehren. …Es ist eine ehrenvolle und wichtige Aufgabe, für diese Rechtsordnung einzustehen und sie ggf. zu verteidigen.“

Welch Segen eine funktionierende Rechtsordnung ist, gehörte zu den Eindrücken einer Kosovoreise, die Landespolizeipfarrer Kurt Grützner seinem Grußwort voran stellte. Gemeinsam mit der Kollegin aus Sachsen-Anhalt hatte er in Pristina einen Weihnachtsgottesdienst für Polizisten angeboten, die sich dort unter widrigen Umständen für eben eine solche Ordnung einsetzen.

Kaum ein Einsatz verläuft ohne Frusterfahrung. Die Grenzen von Engagement ("burn-out") kamen im Gottesdienst zur Sprache, der unter der Leitung von Polizeipfarrer Dr. Martin Schulz-Rauch in der Schlosskapelle dem Empfang vorausging. Wolfgang Hinz, Leitender Polizeipfarrer, legte in seiner Predigt die Jahreslosung aus:

„Was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“(Lk 18,27).

Schlosskapelle
Leitender Polizeipfarrer Wolfgang Hinz- Fotos: Roger Töpelmann

„Wir brauchen Menschen, die sich für andere einsetzen, die darauf brennen, Dinge zum Besseren zu kehren – hierzulande und in den Krisenregionen dieser Welt. Aber wir müssen Acht geben, dass sie sich dabei nicht übernehmen, nicht „verbrennen“. Da kann die Jahreslosung mit ihrer Unterscheidung von Möglichkeiten hilfreich sein. Stellt sie uns doch in einen Rahmen, der viel Raum zum handeln lässt, ohne uns dabei zu überfordern. Wir sind Menschen mit begrenzten Möglichkeiten und nicht Gott, der Allmächtige. Wie entlastend kann alleine schon diese Erkenntnis sein! Zugleich haben wir in Gott ein Gegenüber, das uns freundlich zugewandt ist, der Möglichkeiten eröffnet, wo wir nicht mehr weiter wissen.“

Leitender Polizeipfarrer Wolfgang Hinz