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"Der gute Geist von Dieburg"

Rückblick auf das Richtfest der neuen Polizeistation

Bild: Pressestelle des Polizeipräsidiums Südhessen
Bild: Pressestelle des Polizeipräsidiums Südhessen

Am Freitag, dem 22.Juli 2005, wurde in Anwesenheit von Staatsminister Volker Bouffier das Richtfest der neuen Polizeistation in Dieburg gefeiert. Polizeipfarrer Winfried Steinhaus sprach ein Grußwort im Namen der katholischen und evangelischen Polizeiseelsorge in Hessen und nahm die Segnung vor.

Dabei bat der Geistliche die versammelten Festgäste zunächst um Verständnis für sein etwas "ungewöhnliches" äußeres Erscheinungsbild, war er doch eben erst unmittelbar von einem Notfallseelsorge-Einsatz bei einem tödlichen Verkehrsunfall zurückgekehrt.

Weil eine Polizeistation eine "Dienststelle" sei, stand die Ansprache von Pfarrer Steinhaus unter dem Leitwort: "Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat" aus dem 1. Petrusbrief (Kap.4,10).

Als konkretes und selbst erlebtes Beispiel für den guten Geistes solcher Dienstbereitschaft erzählte Pfarrer Steinhaus von dem Besuch einer Behindertengruppe in Dieburg. Dieser fand, wie es der Zufall will, zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt statt, häuften sich doch just an diesem Tag die polizeilichen Aufträge en masse. Doch trotz Hektik und Stress behielt Stationsleiter Raimar Franke souverän die Geduld und begleitete seine behinderten Gäste in ungeteilter Freundlichkeit und Aufmerksamkeit.

Als weiteres Beispiel für den erwähnten "guten Geist" der Dienstbereitschaft" berichtete Pfarrer Steinhaus von der gemeinsamen Überbringung einer Todesnachricht mit einem Kollegen der Polizeistation. Ein Vater von fünf Kindern war mit seinem PKW zwei Tage vor Heiligabend tödlich verunglückt, und der Beamte nahm sich über mehr als zwei Stunden in vorbildlicher Weise sensibel und feinfühlig der kleinen und großen Trauernden an.

Aus diesen Erlebnissen mit "dienstbereiten" Polizisten zog Pfarrer Steinhaus folgenden Schluss: Er sei froh, dass bei aller Notwendigkeit, eine Dienststelle mittels NVS, IZEMA usw. vom Zeit-, Kräfte- und Kostenaufwand möglichst effizient zu führen, dort wo es darauf ankomme, immer noch der Mensch an erster Stelle stehe und Menschlichkeit das polizeiliche Handeln leite. Und solange diese Rangordnung ethischer über materielle Werte gelte

- werde der Bürger die Polizei als "Freund und Helfer" empfinden

- würden Beamte keinen inneren Abschied nehmen und bloß noch "Dienst nach Vorschrift" machen

- und könne der oberste Dienstherr mit Recht stolz sein auf "seine" Polizei.

Überleitend zur liturgischen Segnung rief der Geistliche die Dieburger Beamten und Beamtinnen auf, sich den guten Geist der alten Station zu bewahren und mit in die neue zu nehmen. Auf dass, was immer die Zukunft bringen möge an Höhen oder Tiefen, Zufriedenheiten oder Mängeln ihres Berufstandes, Gott ihre innere Berufung stärke durch sein Wort: "Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat".

Pfarrer Winfried Steinhaus