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Archiv: Texte

Brot und Spiele

Einsatz-Brot
Einsatz-Brot - Foto: PÖ PP-Frankfurt

- dies (ursprünglich römische) Doppel kennzeichnet z. Zt. den Polizeidienst in Frankfurt auf ganz eigene Weise. Die Fußballspiele der Frauen-WM binden reichlich Polizeikräfte im Public Viewing Areal am Main und im Stadion. Zugleich harren im Präsidium, damit die Kräfte auch bei Kräften bleiben, täglich an die 100 abgepackte Brotrationen des Verzehrs. Die für Verpflegung zuständige Abteilung Z nahm dies zum Anlass, den Polizeipfarrer um einen Beitrag zum Thema „Brot“ zu bitten.

Unter allen Nahrungsmitteln umgibt das Brot ein besonderer Nimbus. Er reicht vermutlich zurück bis in die Epoche der Sesshaftwerdung des Menschen vor ca. 10.000 Jahren, als mit dem systematischen Getreideanbau das Brot zum Grundnahrungsmittel Nr. 1 aufrückte. Aus Mehl und Wasser, Salz und Hefe lässt sich im Ofen oder auf heißen Steinen in kurzer Zeit und großer Vielfalt etwas produzieren, das schmeckt, den Hunger stillt und sich ggf. auch noch eine Weile hält: Brot. Gerade Deutschland ist stolz auf seine Brotsorten und sucht derzeit Wege, die deutsche Brotvielfalt als Weltkulturerbe festschreiben zu lassen.

Bemerkenswert dabei ist, dass selbst in der „Wegwerfgesellschaft“ viele Hemmungen verspüren Brot einfach in die Mülltonne zu werfen. Auch altes Brot wird oft noch gegessen oder an Enten und Pferde weiter gereicht. Nicht nur der Kriegsgeneration, die in Notzeiten den Wert eines Stück Brots besonders schätzen lernte, geht das so, auch Enkel und Urenkel teilen diesen Respekt. „Brot für die Welt“, die international tätige Hilfsorganisation, führt schon im Namen, was Menschen in vielen Weltregionen an Lebensnotwendigem fehlt. Und auch die Vater-unser-Bitte „Unser täglich Brot gib uns heute“ bringt immer wieder in Erinnerung, worauf es wirklich ankommt.

In der Eucharistiefeier, dem christlichen Abendmahl, werden Brot und Wein sogar zu den zentralen Mitteln, Jesus Christus zu vergegenwärtigen. Im Glauben empfängt der Christ hier alles, was er zum Leben braucht: Gott, Gemeinschaft, feste und flüssige Nahrung. Wobei zu beachten ist, dass dem Brot dabei nicht das Wasser zur Seite steht. Zum bloßen Überleben würde Wasser ja völlig ausreichen. Mit dem Wein kommt etwas ins Spiel, das mehr ist als lebensnotwendig, etwas, das Feiern, Fest und Freude intendiert. Leben ist eben mehr als „Vegetieren“. Noch auf Pflegestationen gilt es diesen menschlichen Anspruch täglich in die Tat umzusetzen.

Publicviewing
Public viewing am Main zur Frauen-WM 2011 - Foto: W.Hinz

Lebensfreude hängt natürlich nicht zwingend am „flüssigen Brot“, dem Alkohol. Wo doch, ist Beratungs- bzw. Handlungsbedarf angesagt. Zugleich gehört aber auch die Einsicht der „Toten Hosen“ jedem Rigoristen ins Stammbuch geschrieben: Kein Alkohol ist auch keine Lösung!

Überschuss an Leben kann einem auf vielfältige Weise begegnen - auch in der Arbeit, wenn sie abwechslungsreich ist und anregend. Ich hoffe, dass die polizeiliche Begleitung der Frauen-WM in diese Kategorie fällt, dass die Stimmung und die Begegnungen am Mainufer erfreulich bleiben. In jedem Fall erwartet die Einsatzkräfte im Polizeipräsidium das "Lebensnotwendige", drei Scheiben und mehr.

Leitender Polizeipfarrer Wolfgang Hinz