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"...einen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit"

550 KommissarsanwärterInnen bei der Eidesleistung in Wetzlar Foto: Polizei Hessen
550 KommissarsanwärterInnen bei der Eidesleistung in Wetzlar Foto: Polizei Hessen

(Schlusspassage der Predigt im Gottedienst vor der Vereidigung im Dom zu Wetzlar. Textgrundlage waren dabei 2. Timotheus 1, 7 und das selbstgewählte Motto der AnwärterInnen: Polizei Hessen - engagiert, kompetent, bürgernah.)

...Gott selbst rüstet uns mit einem solchen Geist, wenn wir dem Bibelwort folgen. Ja: er hat uns damit ausgerüstet. Im Perfekt wird hier formuliert. "Perfekt!" möchte man rufen. Dieser Geist der Furchtlosigkeit wird in dreifacher Weise näher bestimmt: als Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Diesen Aspekten will ich zum Schluss noch kurz nachspüren.

Mit Engagement wollen Sie den Polizeidienst angehen, mit Einsatzfreude und Nachdruck, so verstehe ich Ihr Motto. Das geht nicht ohne Kraft. Physische Kraft, die es Ihnen ermöglicht 12 Stunden (und länger) durchzuhalten und ggf. bei Verfolgungen die Nase vorne zu haben. Aber auch die mentale Kraft, Situationen richtig zu erfassen und zu bewältigen - auch dann, wenn es mal nicht optimal gelaufen ist. Möge Ihnen diese Kraft stets zuhanden sein.

An zweiter Stelle nennt das Bibelwort die Liebe. Hat die denn was in unseren Zusammenhängen verloren? Sollte man sich im Polizeidienst, was Liebesdinge anbelangt, nicht unbedingt zurück halten. Probleme sind quasi vorprogrammiert, wenn sich Privates und Dienstliches unter dieser Überschrift verquicken!? In unserem Vorbereitungskreis kam umgehend der Einwand, dass Polizeidienst sehr wohl etwas mit Liebe zu tun habe, ja als ganzer durchaus unter der Überschrift "Nächstenliebe" zu betrachten ist. Unsere ganze Rechtsordnung könnte man als so motivierte Vorkehrung bezeichnen. Sie soll schließlich gewährleisten, dass sich nicht stets der Stärkere durchsetzt. Sie eröffnet einen Raum, in dem zumindest alle das gleiche Recht zur Entfaltung ihrer Möglichkeiten haben. Diese Ordnung aufrecht zu erhalten und durchzusetzen ist durchaus ein Akt der Nächstenliebe und: Ihr polizeilicher Beitrag.

Bei dessen Umsetzung werden Sie immer wieder auch als Menschen gefordert sein und nicht nur von Amts wegen. In der Mischung dieser beiden Sphären liegt ein Geheimnis gelingender Polizeiarbeit. Ich hoffe sehr, dass Ihnen diese Seite des Berufes nicht aus dem Blick gerät und Sie die Lust an der Begegnung mit Menschen nicht verlieren. Denn gerade aus solchen Begegnungen können Ihnen Kraft und Bestätigung erwachsen, die anderes besser ertragen hilft. Kompetenz ist ebenfalls Bestandteil ihres Mottos - soziale Kompetenz ist eine wichtige Spielart dabei.

Die ist auch gefordert, wenn es um Bürgernähe geht, um Ihre Bereitschaft auf den Bürger zuzugehen, ihm ggf. mit viel Geduld, Sachverhalte erläutern und Maßnahmen überzeugend durchzusetzen. Statistiken belegen zwar immer wieder, welch hohes Ansehen Ihr Berufsstand in der Bevölkerung hat - im konkreten Fall merkt die Polizei oft wenig davon. Da wir gefeilscht und geschimpft und schon mal über Gebühr Widerstand geleistet. Der "Wutbürger" ist nicht zufällig eine Wortschöpfung unserer Tage. Wirtschaftliche und politische Fehlentwicklungen bringen die Menschen vermehrt auf die Straße. Sie nehmen damit ihr gutes Recht auf Demonstration wahr und Sie müssen das von Amts wegen sicher stellen. Die Wut, die anderen gilt, trifft so vornehmlich Sie.

Da braucht es wahrlich einen Geist der "Besonnenheit", der zu differenzieren weiß, nicht die Geduld verliert und sich mit Zwangsmaßnahmen zurück hält. Besonnenheit ist quasi die Mutter der Verhältnismäßigkeit, die Kraft und Liebe auszutarieren vermag - am Ende sogar zarte Bande, die sich beruflich anspinnen mögen (s.o). Besonnen geht vieles.

Dass alle drei - Kraft, Liebe und Besonnenheit - Ihre steten Begleiterinnen in wohl 40 Jahren Polizeidienst sein mögen, wünschen wir Polizeiseelsorger Ihnen heute ganz besonders. Und: dass Sie furchtlos und unbeschadet an Leib und Seele stets Ihren gewichtigen Beitrag zu unserem Zusammenleben zu leisten vermögen.

So wahr Ihnen Gott mit seinem Geist dabei hilft.

Ltd.Polizeipfarrer Wolfgang Hinz