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Ansprache anläßlich der Einweihung der neuen Sporthalle bei der III. BPA in Mühlheim am 30. Januar 2006

Polizeipfarrer Winfried Steinhaus und Polizeipfarrer Wigbert Straßburger in der neuen Turnhalle
Polizeipfarrer Winfried Steinhaus und Polizeipfarrer Wigbert Straßburger in der neuen Turnhalle

Lesung aus Erster Korinther 6.19-20

Wisst Ihr nicht,

dass Euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist,

der in Euch wohnt und den Ihr von Gott habt?

Ihr gehört nicht Euch selbst;

denn um einen teuren Preis seid Ihr erkauft worden.

Verherrlicht also Gott in Eurem Leib!

Unser Leib ein "Tempel des Heiligen Geistes" - das klingt in manchen Ohren vielleicht typisch biblisch-antiquiert. Doch lese ich in der OF-POST vom 12.Januar d.J. die großformatige Überschrift: "Ein Fitness-Tempel nicht nur für die Polizei".

Also geht es schon irgendwie in Richtung "Heiliger Halle". Wobei die Bibel interessanterweise den Tenor nicht auf das Gebäude, als vielmehr auf die Menschen legt.

Will heißen: Bei allem berechtigtem Stolz über beeindruckende Leistungen an architektonischer Kreativität, bau- und kunsthandwerklicher Geschicklichkeit sowie landesherrlicher Großzügigkeit sollten darum auch wir stets den Menschen in den Vordergrund rücken.

Zumal es sich im Kontext der polizeilichen Nutzung ja um Menschen handelt, die außerhalb dieser "Heiligen Halle" nur allzu oft an die un-heiligen Orte unserer Gesellschaft geführt werden.

So verlangt es nun mal ihr Beruf als Schutzleute, tagtäglich den Kopf für 'Recht und Ordnung' hinzuhalten, damit unser aller Leben in einigermaßen gesicherten Bahnen verläuft.

Im Umkehrschluss verlangt es dann aber auch einer entsprechenden Fürsorgepflicht, besagte Schutzleute ihrerseits zu schützen.

Genau dafür ist die neue Sporthalle gebaut, und ich bedanke mich ausdrücklich im Namen der katholischen und evangelischen Polizeiseelsorge für das Ernstnehmen der Fürsorgepflicht bei der Hessischen Polizei.

Fürsorgepflicht. Die soll hier ganz praktisch umgesetzt werden, sowohl präventiv im Trainieren des Ernstfalls, um dessen Risiken so weit wie möglich zu minimieren, als auch im nachhinein, um sich Einsatzstress und psychische Belastungen so richtig von der Seele zu strampeln.

Und indem das geschieht, geschieht etwas Heiliges! Nämlich die Würdigung, dass unser Körper keine bloße Maschine ist und Menschen keine seelenlosen Leistungsroboter sind, sondern Geist in uns wohnt (Heiliger Geist), der uns erst Menschlichkeit im vollen Sinn verleiht.

Dieses hohe Gut gilt es zu bewahren, dass es über den Rahmen einer Festansprache hinaus sich im konkreten polizeilichen Alltag bewährt und dort Klima und Atmosphäre des Miteinander-Umgehens spürbar belebt und prägt.

Was sicher leichter gesagt als getan ist. Denn die Polizei ist ja eine dezidiert hierarchische Organisation, und darin liegt, ob man will oder nicht, immer ein Stück Verführung, einerseits "die da unten" doch zu instrumentalisieren zwecks Erreichens bestimmter Zielvorgaben, und andererseits "denen da oben" mit der entsprechenden Portion Misstrauen und Widerstreben zu begegnen.

Beides ist nicht der Geist, der in uns wohnen soll! Wie aber heraus aus dem Dilemma ...? - Eben mit Hierarchie, überraschenderweise! Dieses griechische Wort, ins Deutsche übersetzt, bedeutet nämlich "Heilige Ordnung".

Und daraus folgt: Wenn der Geist stimmt, ist Menschlichkeit im Umgang miteinander nicht Aufhebung, sondern Erfüllung von Hierarchie im Sinne des gegenseitigen (!) "heiligen Respekts" vor der Würde und Integrität des andern, unabhängig von Anzahl und Farbe seiner "Schultersternchen".

Unser scheinbar antiquiertes Bibelwort: "Wisst Ihr nicht, dass Euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist" entpuppt sich somit als moderne organisationsethische Chance und Verpflichtung zugleich, diesen "Fitness-Tempel" der neuen Sporthalle bei der III.Bereitschaftspolizeiabteilung in Mühlheim als äußeres Wahrzeichen des Geistes der Menschlichkeit im Innern der Hessischen Polizei zu verstehen, und jeder an seinem Platz das Seine zum Gelingen beizutragen. Amen.

Polizeipfarrer Winfried Steinhaus