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Archiv: Texte

Polizeiliche Fürbitten

zur Vereidigung 2011

Polizeikommissarsanwärterinnen und Polizeikommissarsanwärter mit Polizeipfarrer Dr. Martin Schulz-Rauch   am 12. Juni 2011 im Ökumenischen Gottesdienst in der Liebfrauenkirche zu Oberursel - Foto: Volker Müller
Polizeikommissarsanwärterinnen und Polizeikommissarsanwärter mit Polizeipfarrer Dr. Martin Schulz-Rauch
am 12. Juni 2011 im Ökumenischen Gottesdienst in der Liebfrauenkirche zu Oberursel - Foto: Volker Müller

Lieber Gott,

wir stehen am Anfang unseres künftigen Berufes. Für uns beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Wir freuen uns auf die vielseitigen Kontakte mit Menschen und auf nette Kollegen.

Wir wissen aber auch, dass wir künftig im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen werden, in der unser Handeln aufmerksam verfolgt wird. Buchstäblich werden wir in manchen kritischen Situationen zur Zielscheibe von Aggression und Gewalt.

Darum bitten wir dich, lieber Gott: Begleite uns auf unserem Weg, dass wir Freude an unserem Beruf haben und in Gefahr sicher bewahrt werden.

Lasst uns gemeinsam bitten: Herr, erbarme Dich.

Lieber Gott,

wir sind in unserem Beruf für andere Menschen da - wir werden helfen, retten, beraten, trösten und beschützen. Dabei wollen wir immer fair bleiben und solidarisch den Schwachen begegnen, statt gedankenlos über Leichen zu gehen und unsere Ellenbogen im Miteinander einsetzen. Das erfordert oftmals viel Geduld, wir werden manches wegstecken, ertragen und verkraften müssen.

Darum bitten wir Dich, lieber Gott: Schenke uns immer Menschen, die für uns da sind. Menschen, die sich für uns und unsere Belange einsetzen, die Verständnis haben, uns auffangen, stützen und nicht alleine lassen.

Lasst uns gemeinsam bitten: Herr, erbarme Dich.

Lieber Gott,

in unserem Beruf werden wir immer wieder in gefährliche Situationen geraten, die unsere Gesundheit an Leib und Seele bedrohen. Wir wissen, dass wir in Verrichtung unseres Berufes dem Tod in vielfältiger Weise begegnen und vielleicht sogar auch Menschen beim Sterben begleiten müssen.

Wir wollen aber trotz all dieser Erlebnisse immer unbeschadet bleiben an Körper und Seele und stets nach dem Dienst heil nach Hause fahren können. Wir wünschen uns eine fürsorgliche Betreuung, falls uns doch etwas widerfährt. Wir denken in diesem Gottesdienst an alle Kollegen, die in Verrichtung ihres Dienstes schwer verletzt worden oder gar verstorben sind.

Darum bitten wir Dich, lieber Gott: Sei stets an unserer Seite, wenn Gefahr uns droht, schütze uns, wenn es eng wird, halte Deine Hand über uns, wenn wir in Angst geraten.

Lasst uns gemeinsam bitten: Herr, erbarme Dich.

Lieber Gott,

in unserem Beruf werden wir dazu beitragen, dass in unserer Gesellschaft Frieden, Sicherheit und Ordnung herrschen, damit ein ruhiges Zusammenleben möglich ist. Dabei haben wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuhalten. Wir begegnen häufig aber auch den Versäumnissen der Vergangenheit, die wir "ausbaden" müssen.

Immer wieder werden wir in einen inneren Zwiespalt geraten, wenn wir das Gesetz durchsetzen müssen, persönlich aber eine andere Einstellung haben - etwa wenn wir rechte Aufmärsche vor Störungen zu schützen haben, persönlich aber eher auf der Seite der Gegendemonstranten stehen.

Darum bitten wir Dich, lieber Gott: Begleite uns auf dem Weg durch das Dickicht der Erwartungen und Anforderungen, ermutige uns, wenn wir ins Zweifeln geraten und lass uns stets den rechten Weg für unser Leben erkennen.

Lasst uns gemeinsam bitten: Herr, erbarme Dich.

Lieber Gott,

bei der Ausübung unseres Berufes haben wir ein hohes Maß an Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitmenschen. Wir wissen, dass wir durch unüberlegtes oder voreiliges Handeln im Rahmen von Eingriffen in Grundrechte großen Schaden anrichten können. Uns sind häufig Menschen anvertraut, die aufgrund von Krankheit, Unfall und extremer seelischer Belastung nicht mehr ausreichend für ihre Sicherheit Sorge tragen können. Sie zu schützen und vor sich selbst und anderen in Obhut zu nehmen, ist eine wichtige Aufgabe, die wir stets mit Augenmaß und großem Verantwortungsbewusstsein wahrnehmen wollen.

Darum bitten wir Dich, lieber Gott: Gib uns die Kraft dazu, immer das rechte Maß zu erkennen, stärke unsere Urteilskraft, damit wir nicht überheblich und unbedacht handeln, lass uns innerlich wachsen, damit wir als reife Persönlichkeiten auch in kritischen Situationen das Rechte tun.

Lasst uns gemeinsam bitten: Herr, erbarme Dich.

Vaterunser

Polizeipfarrer Dr. Martin Schulz-Rauch