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Archiv: Texte

Zum Abschied

von Bernd Krämer

Grabrede in Mombach am 20.1.2012

1. Wir müssen heute endgültig Abschied nehmen von unserem lieben Freund und Seelsorger Bernd.

Es ist schwer, sich vorzustellen, wie es ohne ihn weitergeht. Er war einfach nun mal unbestritten das Herz und der Motor der Polizeiseelsorge - zumindest in unserem Beirat Mainz-Nahe - aber irgendwie auch im ganzen Land.

2. Ich erinnere noch gut, wie ich vor 9 Jahren in Mainz mit der Polizeiseelsorge angefangen habe - er der Platzhirsch, ich der Neuling. Niemals aber in all den Jahren gab es auch nur den Hauch von Konkurrenz, von Mißgunst gar. Noch niemals hatte ich - und werde es auch niemals mehr wieder haben - einen so guten, fairen, anständigen und immer offenen Kollegen.

Mit ihm zusammenzuarbeiten, erforderte manchmal nur einen Blickkontakt - und wir waren uns einig. Oft haben wir uns die Bälle zugespielt: Vieles habe ich gerne ihm alleine überlassen; um manches hat er mich gebeten. Und wenn ich seine Unterstützung brauchte, war er immer sofort zur Stelle.

Was hat er nicht alles mit mir geteilt, wieviele seiner Gaben und Ressourcen hat er nicht ohne große Worte einfach zur Verfügung gestellt. Wieviele Kontakte hatte er, mit wievielen Menschen hat er mich zusammengebracht. Wieviele Ideen hatte er, was hat er nicht alles angeregt.

3. Es ist keine Übertreibung- aber wesentliche Dinge von dem, was heute zum Zentrum unserer Arbeit gehört, war von ihm in irgendeiner Weise initiiert worden. Ich möchte nur ein Beispiel nennen: Er hatte vor 9 Jahren die Idee eine Jugendfreizeit anzubieten - damals noch als kleines Zeltlanger in Enkenbach. Das machen wir heute noch - mittlerweile mit über 40 Kindern. Und als das ursprüngliche Konzept nach einigen Jahren problematisch geworden war, gab er die entscheidende Anregung für eine Neuorientierung.

Und wir alle wissen, die wir ihn kennen: Solche Anregungen kamen nie von oben herab - oft eher beiläufig: "Ich habe da mal was - guck Dirs mal an". Und man war gut beraten, seine Anregungen auf sich wirken zu lassen. Niemals hat er dabei seinen Status rausgehängt: Und auch wenn er äußerst selten Anzug und Krawatte trug - sein Wort hatte immer großes Gewicht.

4. Ich weiß, für wieviele Menschen er ein ganz wichtiger Seelsorger war - ob nach einem Schußwaffengebrauch oder bei ehelichen Problemen daheim, bei Mobbingvorwürfen oder häuslichen Überforderungen: Bernd war für alles offen - und über sein Handy auch in Kroatien ansprechbar.

Oft hat er gar nicht viel gesagt - pathetische Worte waren sowieso nicht sein Ding: Häufig hat er ganz pragmatische Anregungen gegeben, nicht selten auch praktische Unterstützung organisiert..

Alleine seine Gegenwart empfand ich als beruhigend, um wieder einen klaren Blick zu bekommen. Gerne habe ich ihm darum immer wieder von problematischen Gesprächen berichtet - seine Hinweise waren augenöffnend. Und wenn ich mal zornig war - war es schon gut, wenn er nur sagte: "Ach komm, probiere es doch noch mal".

5. Es gibt wohl tatsächlich ein paar Leute, die ihn auch mal massiv und etwas lauter erlebt haben. Zumindest hat er das selbst manchmal berichtet. Ich aber - und wohl die meisten hier unter uns - kennen ihn als einen, der auf seine stille leise Art, ohne dominant zu wirken, sehr deutlich zu erkennen geben konnte, was er wollte und was seiner Meinung nach erforderlich war.

Bernd war ein überzeugter Menschenfreund, der jeden respektiert und anerkannt hat - und trotzdem sehr fein Akzente setzen konnte, so daß man wußte, worauf er hinaus wollte.

6. Ich habe mich oft gefragt: Wie macht er das? Bernd konnte manchmal zerstreut, ja geistesabwesend sein. Er war notorisch zu spät, weil er zu viele Baustellen beackerte. Er konnte sich öfters mal nicht mehr an Namen erinnern - die Millionen Leute, die ihn kannten, nicht immer richtig einordnen: Und trotzdem war er immer hundertprozentig präsent, in Besprechungen bestens vorbereitet, in seinem Papierstapel, den er stets mit sich trug, stets die richtigen Unterlagen rausfischend und absolut Herr der Situation.

Bernd war ein echter Menschenfischer - so wie Jesus es seinen Jüngern aufgetragen hat: Zahllose Leute konnte er zur Mitarbeit und zur Unterstützung motivieren - er hatte ein feines Gespür für die richtigen Personen am rechten Platz.

7. Seine feste Verwurzelung im Glauben hat Bernd niemals groß vor sich hergetragen - er war ohne viel Worte so souverän und fest in seiner Kirche verankert (trotz mancher Sympathien für evangelische Positionen), daß jederzeit zu spüren war, wie sehr ihm die Liebe für den Nächsten, die Fürsorge für den Schwachen und die Achtung für den Gegner Herzenssache war.

Heute müssen wir Bernd endgültig gehen lassen. So viel hätten wir gerne noch von ihm empfangen!

Doch Gott, der Herr über Leben und Tod, hat ihn von uns genommen und zu sich gerufen.

Wir beugen uns demütig uns unter seinen Willen!

Pfarrer Dr. Martin Schulz-Rauch