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Mit meinem Gott springe ich über Mauern - Psalm 18

Gedanken zur Vereidigung 2016

Gottesdienst am 22. Mai 2016 auf dem 56. Hessentag anlässlich der Vereidigung von 720 Kommissarsanwärterinnen und Kommissarsanwärtern  im Herborner Rehbergstadion.   Vor dem Landespolizeiorchester Hessen am Pult Ltd.Polizeipfarrer Wolfgang Hinz - Foto: Dominique Weber, HBPP
Gottesdienst am 22. Mai 2016 auf dem 56. Hessentag anlässlich der Vereidigung von 720 Kommissarsanwärterinnen und Kommissarsanwärtern im Herborner Rehbergstadion.
Vor dem Landespolizeiorchester Hessen am Pult Ltd.Polizeipfarrer Wolfgang Hinz - Foto: Dominique Weber, HBPP

Auszug aus der Predigt zu Prediger 4,9-12 - "So ist´s ja besser zu zweien als allein":

"Gemeinsam sicher in die Zukunft" - dieses Motto der Studierenden richtet sich nicht nur nach innen, an die eigene Zunft. Es ist auch als Angebot der Polizei an die Gesellschaft zu verstehen und zugleich als Erwartung. Dazu wäre viel zu sagen - ich will mich auf zwei Aspekte beschränken.

Zu den unverzichtbaren Vorgaben polizeilicher Arbeit gehört das Neutralitätsgebot. In der politischen Auseinandersetzung nimmt die Polizei nicht Partei, sondern hält vielmehr die Räume offen, in denen der gewaltfreie Meinungsaustausch möglich bleibt. Darin zeigen sich gleichermaßen die Stärken einer Demokratie und die Qualität ihrer Polizei. Es ist zu befürchten, dass sie in den nächsten Jahren auf diesem Feld noch mehr gefordert wird. Je heftiger die Auseinandersetzungen werden, desto mühevoller wird es für die Polizei. Hier Stand zu halten, ungeachtet der eigenen politischen Ansichten, ist Herausforderung für alle Polizeiangehörigen und aller Ehre wert. Sie dabei nicht zu überstrapazieren, steht in der Verantwortung jedes einzelnen Bürgers, der seine Meinung kund tut.

In Umfragen wird der Polizei seit Jahren ein hohes gesellschaftliches Ansehen attestiert und Zutrauen in ihre Arbeit bekundet. Zu Recht, wie ich meine. In der konkreten Begegnung mit dem "unbescholtenen" Bürger - wie es so schön heißt - bestätigt sich dieser Eindruck nicht in gleichem Maße. Da sieht sich die Polizei oft mit Ausflüchten und Grobheiten konfrontiert - "gemeinsam respektvoll in die Zukunft" wäre da eine denkbare Variation des heutigen Mottos.

Als Seelsorger möchte ich zum Schluss noch auf ein weiteres "Gemeinsam" zu sprechen kommen, das an einem Tag wie diesem zu bedenken ratsam ist. In Psalm 18,30b findet sich der erstaunliche Satz:

"Mit meinem Gott springe ich über Mauern."

Hier kommt handfest eine Zuversicht zum Ausdruck, die sich nicht auf die polizeiliche Grundausbildung oder gar auf Einsätze von SEK und MEK beschränken sollte. Der Gott der Bibel ist verlässlich, wenn es darum geht, Hindernisse jeder Art zu nehmen und zu überwinden. Für das Unternehmen "Gemeinsam sicher in die Zukunft" steht auch er bereit.

Wir wissen: Die eigene Verfassung, die innere Ruhe und Sicherheit, ist ein wichtiger Faktor, wenn es in den Einsatz geht. Nicht weniger wichtig ist sie für die Zeit danach - vor allem dann, wenn es mal "suboptimal" gelaufen ist. Wenn es heißt, Misserfolge zu verkraften, Verletzungen oder gar den Verlust eines Streifenpartners, wie Ende vergangenen Jahres hier in Herborn.

Dann gilt erst recht: "Es ist besser zu zweien als allein. Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen." Der Beistand von Familie und Kollegen gibt Halt, eine Anerkennung durch den Dienstherrn kann tröstlich sein. "Und eine dreifache Schnur", toppt der alttestamentliche Prediger (4,12) sein Lob der Zweisamkeit, "reißt nicht so leicht entzwei."

Der heutige Tag Ihrer Vereidigung ist im kirchlichen Festkalender zugleich der Sonntag Trinitatis, das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gehen Sie darum am Ende dieses Gottesdienstes "dreifach geschnürt" und gesegnet gemeinsam sicher in die Zukunft.

Amen.

Übergabe der Gottedienstkollekte

Leitender Polizeipfarrer Wolfgang Hinz