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Polizeipfarrer unterstützen Beamte bei Auslandseinsätzen

Der auch über Link abrufbare Beitrag von Britta Jagusch erschien in der Ev. Sonntags-Zeitung (3/2008) und dem Kasseler Sonntagsblatt.

Frankfurt a.M. (epd). "Die Sicherheitslage ist stabil", erklärt Thorsten Neels, stellvertretender Pressesprecher des hessischen Innenministeriums. Daher ändere sich vorerst nichts an den Auslandseinsätzen im Kosovo. Während die serbische Provinz um ihre Unabhängigkeit ringt, sind zurzeit elf Beamte der hessischen Polizei in der Krisenregion für die Vereinten Nationen im Einsatz. Der Aufbau einer einheimischen Polizei, die Ausbildung von Polizisten sowie deren Begleitung gehören zu den Hauptaufgaben der insgesamt rund 150 deutschen Polizisten.

In einem ausführlichen Auswahlverfahren werden die Freiwilligen aus Hessen auf ihre Aufgabe vorbereitet. Unterstützung vor, während und nach einem Einsatz erhalten sie von einem sogenannten "Kriseninterventionsteam", zu dem auch der evangelische Leitende Polizeipfarrer Wolfgang Hinz gehört. Neben einem katholischen Kollegen betreuen Polizeiärzte, Psychologen und Mitarbeiter des Innenministeriums die Beamten und ihre Angehörigen.

"Es war für mich ein beruhigendes Gefühl, dass sich meine Familie bei Problemen an den Polizeipfarrer wenden kann", erinnert sich Martin Bormann. Der Beamte der Langenselbolder Autobahnpolizei war schon mehrmals bei Einsätzen im Ausland dabei, auch im Kosovo. "Es ist eine belastende Situation für alle, da tut es gut, offen reden zu können." Mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern nutzt der 45-Jährige die Unterstützung des Polizeipfarrers.

"Man braucht den Rückhalt in der Familie, sonst kann man sich im Krisengebiet nicht auf die Arbeit konzentrieren", ist Hinz überzeugt. Die Familie einzubeziehen, sei bei Auslandseinsätzen unerlässlich. "Oft helfen schon verbindliche Absprachen über regelmäßige Anrufe und Heimflüge", sagt der Theologe. Neben Gesprächen, in denen die Trennung auf Zeit und die damit verbundenen Ängste thematisiert werden, biete die Polizeiseelsorge auch Familienfreizeiten an.

Dass auch bei der Rückkehr Begleitung erforderlich ist, weiß Christel Shelton aus Biblis. 15 Monate bildete die Polizistin mit Kollegen aus Norwegen und Schweden Kosovaren für eine neue Hundestaffel aus. "Jetzt bin ich nicht mehr dieselbe", sagt die 39-Jährige. Die kulturellen Unterschiede, die Armut und die organisierte Kriminalität haben die Beamtin geprägt. "Korruption und Drogenhandel sind an der Tagesordnung", sagt Shelton. Zustände, die man mit den Gegebenheiten in Deutschland nicht vergleichen könne.

Rund 2.000 Polizisten aus insgesamt 44 Nationen sind in der Provinz Kosovo im Einsatz. Seit 1999 beteiligen sich auch deutsche Polizisten an der United Nations Interim Administration Mission im Kosovo (Unmik). "Da prallen unterschiedliche Ausbildungsstandards und Mentalitäten aufeinander", sagt Shelton, die sich trotz aller Gefahren sofort wieder für einen Auslandseinsatz entscheiden würde. "Es ist eine sinnvolle Arbeit, an der ich gewachsen bin."

Auch nach der Beobachtung von Polizeipfarrer Hinz übernehmen "meist die gut ausgebildeten deutschen Beamten viel Verantwortung". Bei der Rückkehr falle es ihnen dann schwer, sich wieder im Alltag zurechtzufinden und einzugliedern. Um den Kontakt nach Deutschland zu halten, seien die Einsätze darum in der Regel auf maximal ein Jahr begrenzt.

Auch am 14. Januar wird der Pfarrer wieder einen Beamten mit einer kleinen Friedenstaube aus Filz in den Kosovo verabschieden. "Wir dürfen nicht vergessen, worum es geht", sagt Hinz im Hinblick auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Provinz. "Wir wollen Frieden für ein Land, das vor einer neuen Herausforderung steht." (0014/7.1.08)

Text des epd Hessen

Britta Jagusch